SEO-Faktor Bestandswahrung

Nun haben Sie fast alles beisammen, was für einen von Grund auf neu geplanten Auftritt erforderlich ist – aber leider drängt sich nun die Vergangenheit ins Bild.

Womöglich gibt es Material auf der bisherigen Seite, das Sie unbedingt weiterverwenden möchten. Das kann sinnvoll sein und ist zum Beispiel bei umfangreichen Kataloginhalten auch unverzichtbar.

Wo es angemessen ist, werden Sie Texte kürzen und Grafiken im neuen Stil überarbeiten können. Zudem sollte das neue Content-Management-System in der Lage sein, umfangreiche Inhalte aus einer Datenbankstruktur zu importieren.

Alte Inhalte nicht einfach über den Haufen werfen

Auch wenn Sie die Kosten zur Erstellung der alten Inhalte noch im Kopf haben, sollten Sie sich von allem trennen, was nicht wirklich benötigt wird und die Gelegenheit zur Runderneuerung nutzen.

Dennoch werden Sie im Alten verhaftet bleiben. Denn auch wenn die meisten Kunden sich nicht an ihre bisherige Website erinnern werden, sobald die Neue am Netz ist – die Suchmaschinen werden jede Veränderung sofort registrieren und empfindlich darauf reagieren.

Deshalb ist es jetzt Zeit einen weiteren Mitspieler hinzuzuziehen: den SEO-Experten. In einem Gastbeitrag wird SEO-Expertin Simone Sarodnick diese eigenen Sparte im Internetbusiness noch ausführlich beschreiben.

Sie benötigen aber bereits jetzt die erste Hilfe aus diesem Segment, das in vielen Fällen von der ausführenden Webentwicklung mit bearbeitet werden kann.

Seien Sie hier aber vorsichtig: SEO ist, nicht zuletzt durch die notwendige Regelmäßigkeit, ein beliebtes Zusatzgeschäft, das sich niemand entgehen lassen möchte. Während ich die grundsätzliche Suchmaschinenfähigkeit heute nicht mehr als “Optimierung” bezeichnen würde, wird sie gerne noch als besondere Leistung verkauft. Dabei sind diese Standards in einer neu angelegten Website grundsätzlich zu erwarten:

  • Zusatzangaben für Fotos (Titel und Alternativtext)
  • Metaangaben in der Seite, soweit nötig auch pflegbar durch den Redakteur
  • eine den Standards entsprechende HTML-Struktur
  • Verfügbarkeit aller relevanten Inhalte als Text ( rein grafische Überschriften und ähnliche Störfaktoren sind ohnehin nicht mehr üblich)
  • Vermeidung wiederkehrender Texte (bzw. ihre Auszeichnung, wenn es erforderlich ist)

SEO bedeutet auch Bewahrung

Der SEO-Kundige hat jetzt zwei Aufgaben: Erstens sollte er Sie darin unterstützen, die neue Struktur auch für Google, Bing und Co. verständlich und interessant erscheinen zu lassen. Eventuell kann er sicherstellen, dass die Benennung der Seiten und ihrer Hierarchie optimiert erzeugt wird.

Zweitens muss er analysieren, wie die alte Seite sich in den Suchmaschinen widerspiegelt und die jetzt registrierten Adressen konservieren.

Wenn Sie sich bisher noch nicht mit der Auswertung der Nutzung Ihrer Seite befasst haben, ist das ein – mitunter sehr überraschender – Einstieg in das Thema. Denn oft ist es nicht die besonders stolze Startseite, die die meisten Besucher anzieht, sondern eine untergeordnete Übersicht, auf der die meistgesuchten Begriffe auftauchen. Oder Sie stellen fest, dass ein bisher stiefmütterlich behandeltes Segment Ihres Angebotes bei Ihren Netzbesuchern offenbar viel mehr Beachtung findet.

Egal wie gut oder schlecht diese Inhalte sind und ob Sie diese überhaupt weiter berücksichtigen wollen: Hier gibt es nichts zu verschenken!

Jeder Platz, den man in der Aufmerksamkeitsökonomie gewonnen hat, sollte eisern verteidigt werden. Konkret bedeutet das:

  • geben Sie allen gut laufenden Themen auch in der neuen Seite Platz
  • nutzen Sie die verlinkten Adressen in jedem Fall; lassen Sie diese nicht verfallen

Wenn unwichtige Seiten bei Google stärker gelistet sind als Ihr eigentliches Angebot, lernen Sie daraus und verbessern Sie die wichtigeren Inhalte. Eine Unternehmungsberatung stellte bei der Auswertung ihrer (für eine Seite von 2003 überraschend zeitgemäß gestalteten) Inhalte fest, dass sie mit ihren Leistungsbereichen nirgendwo auftauchte. Google hatte keines der wesentlichen Schlagwörter mit dem Anbieter in Verbindung gebracht.

Dagegen waren der Firmenname (eine zunächst nichtssagende Abkürzung) und bestimmte auffällige Formulierungen durchaus leicht zu finden, so dass es also offenbar keine generelle Blockade der Seite gab.

Bei der genaueren Betrachtung der Texte wurde das Problem schnell offensichtlich: Die Schlüsselbegriffe waren kaum verwendet, da sie beim Leser als selbstverständlich vorausgesetzt wurden. Die, literarisch betrachtet, gut geschriebenen Texte vermiedenen Wiederholungen von Begriffen und umschrieben Leistungsbereiche eindrucksvoll, nur eben nicht suchmaschinengerecht.

Die Verhaftung im Alten bedeutet nun nicht, dass Sie in Ihrer neuen Schöpfung alle relevanten Inhalte am Leben halten müssen. Für die Bewahrung der Struktur ist eine technisch korrekte Weiterleitung auf neue Seiten vollkommen ausreichend. Zum Glück sind Suchmaschinen nicht auf Konservierung versessen, im Gegenteil belohnen sie sogar die lebendige Weiterentwicklung. Sie wollen dabei nur geführt werden – wozu übrigens auch eine maschinenlesbare Sitemap gehört, die mit der Neuprogrammierung erstellt werden sollte.